Demography | Demographie

Marc Luy – Teaching | Lehrveranstaltungen

Modelle und Anwendungsgebiete der Demographie

Das Seminar wurde für das Kursprogramm des MSc-Studiengangs "Sozioökonomie" an der Wirtschaftsuniversität Wien entwickelt. Gegenwärtig wird es nicht angeboten.

Inhaltsbeschreibung

Die Lehrveranstaltung ist als zweisemestriger Kurs konzipiert. Inhaltlich liefert sie vor allem einen Einblick in die aktuellen demographischen Entwicklungen und Forschungsfragen, eine Einführung in die formale Demographie und die Bevölkerungsdynamik sowie einen Überblick über die Eigenschaften und Anwendungen des Modells der stabilen Bevölkerung. Dabei erhalten die Studierenden insbesondere die Fähigkeit zur Anwendung und Interpretation demographischer Modelle und Maßzahlen sowie praktische Erfahrung in der selbstständigen Durchführung eines kleinen Forschungsprojekts, das in Kurs 1 beginnt (Identifikation des Forschungsthemas, Darstellung der Forschungsfragen, Verfassen eines Proposals für eine wissenschaftliche Konferenz, Erweiterung zum Vortragsmanuskript) und in Kurs 2 fortgesetzt wird (Präsentation der Forschungsergebnisse, Ausarbeitung in Form eines wissenschaftlichen Zeitschriftenartikels).

Teil 1 führt ein in die formale Demographie für die Herleitung demographischer Maßzahlen und zur Beschreibung der Wachstumsdynamik einer Bevölkerung. Dabei werden vor dem Hintergrund aktueller demographischer Entwicklungen und Forschungsfragen vor allem die Grundzüge des Modells der stabilen Bevölkerung vermittelt, dessen Kenntnis zentral für die Anwendung demographischer Analysemethoden ist. Nahezu alle demographischen Maßzahlen sind in diesem Modell definiert und besitzen folglich nur in ihm eine konkrete Bedeutung. Deshalb widmet sich Kurs 1 aufbauend auf verschiedenen Modellen von Bevölkerungen ohne Altersstruktur gezielt diesem zentralen demographischen Konzept. Die Studierenden lernen nicht nur seine Grundannahmen kennen, sondern erproben anhand von Beispielen die Auswirkungen dauerhafter Variationen demographischer Parameter auf Bevölkerungsstruktur und -dynamik. Nur das stabile Bevölkerungsmodell ermöglicht derartige Darstellungen und lässt abschätzen, welche Konsequenzen diese Variationen für reale Bevölkerungen haben können, wie z.B. die populationsdynamischen Wirkungen von steigenden bzw. sinkenden Geburtenzahlen.

Teil 2 behandelt verschiedene Anwendungsgebiete des in Kurs 1 theoretisch behandelten Modells der stabilen Bevölkerung. Einen Schwerpunkt stellen die Tempo-Verzerrungen in demographischen Periodenmaßen dar, die immer dann auftreten, wenn sich eine beobachtete Bevölkerung in ihrer demographischen Entwicklung von einer stabilen Bevölkerung unterscheidet. In der Veranstaltung werden verschiedene Verfahren zur Messung und Korrektur derartiger Effekte behandelt. Weiterer zentraler Gegenstand dieses Moduls sind die so genannten „indirekten Methoden“ als klassisches Anwendungsgebiet des Modells der stabilen Bevölkerung. Diese Verfahren wurden ursprünglich zur Gewinnung demographischer Informationen für Entwicklungsländer entwickelt, die nicht über eine so gut organisierte statistische Erfassung der Bevölkerung wie die Industrieländer verfügen. Bei genauerer Beschäftigung mit diesen Verfahren zeigen sich jedoch vielfältige und weit darüber hinaus gehende Anwendungsmöglichkeiten, die sich über die Historische Demographie bis hin zur Modernen Demographie für Industrieländer erstrecken.

Lernergebnisse (Learning Outcomes)

Inhaltlich liefert die Lehrveranstaltung vor allem:
  • Einblick in die aktuellen demographischen Entwicklungen und Forschungsfragen
  • Einführung in die formale Demographie und die Bevölkerungsdynamik
  • Eigenschaften und Anwendungen des Modells der stabilen Bevölkerung

Dabei erhalten die Studierenden insbesondere folgende Kompetenzen:
  • Fähigkeit zur Anwendung und Interpretation demographischer Modelle und Maßzahlen
  • Praktische Erfahrung in der selbstständigen Durchführung eines kleinen Forschungsprojekts, das in Kurs 1 beginnt (Identifikation des Forschungsthemas, Darstellung der Forschungsfragen, Verfassen eines Proposals für eine wissenschaftliche Konferenz, Erweiterung zum Vortragsmanuskript) und in Kurs 2 fortgesetzt wird (Präsentation der Forschungsergebnisse, Ausarbeitung in Form eines wissenschaftlichen Zeitschriftenartikels)

Leistungen für eine Beurteilung

  • Kursbegleitende Übungsaufgaben (25%)
  • Verfassen einer Beschreibung für ein angestrebtes Forschungsprojekt in Form eines Proposals für eine wissenschaftliche Konferenz (25%)
  • Ausarbeitung des Konferenz-Proposals zu einem Vortragsmanuskript mit ersten Ergebnissen (25%)
  • Präsentation der Forschungsergebnisse im Konferenzstil (25%)

Weiterführende Literatur

  • Bongaarts, J., & Feeney, G. (1998). On the quantum and tempo of fertility. Population and Development Review, 24(2), 271-291. [Weblink]
  • Bongaarts, J., & Feeney, G. (2002). How long do we live? Population and Development Review, 28(1), 13-29. [Weblink]
  • Bongaarts, J., & Feeney, G. (2006). The quantum and tempo of life-cycle events. Vienna Yearbook of Population Research, 2006, 115-151. [Weblink]
  • Bongaarts, J., & Feeney, G. (2010). When is a tempo effect a tempo distortion? Genus, 66(2), 1-15. [Weblink]
  • Dinkel, R. H. (1989). Demographie. Band 1: Bevölkerungsdynamik, München: Vahlen. [Weblink]
  • Feichtinger, G. (1973). Bevölkerungsstatistik, Berlin und New York: de Gruyter. [Weblink]
  • Luy, M. (2008). Mortality tempo-adjustment: theoretical considerations and an empirical application. In: E. Barbi, J. Bongaarts, & J. W. Vaupel (Eds.), How long do we live? Demographic models and reflections on tempo effects (pp. 203-233). Leipzig: Springer. [Weblink]
  • Luy, M. (2010). Tempo-Effekte und ihre Bedeutung für die demografische Analyse. Comparative Population Studies, 35(3), 447-482. [Weblink]
  • Luy, M. (2016). Demographische Kennziffern und Methoden, in: Handbuch Bevölkerungssoziologie, hrsg. v. Y. Niephaus, M. Kreyenfeld und R. Sackmann, Wiesbaden: Springer Fachmedien, S. 121-152. [Weblink]
  • Luy, M., Di Giulio, P., Di Lego, V., Lazarevič, P., & Sauerberg, M. (2019). Life Expectancy: Frequently Used, but Hardly Understood. Gerontology, doi: 10.1159/000500955. [Weblink]
  • Luy, M., Köppen, B. (2018): "Express transitioning" as a special case of the demographic transition. Vienna Yearbook of Population Research, 16, 235-257. [Weblink]
  • Luy, M.; Pötzsch, O. (…). Schätzung der tempobereinigten Geburtenziffer für West- und Ostdeutschland, 1955-2008. Comparative Population Studies, 35(3), 569-604. [Weblink]
  • Preston S., Heuveline P., Guillot M. (2001). Demography. Measuring and modeling population processes, Oxford: Blackwell Publishers. [Weblink]

Videos zu Kursteil 2

Einführung in die Inhalte von Kursteil 2

In diesem Video erhalten Sie einen Überblick über die Themenschwerpunkte von Teil 2 des Kurses "Modelle und Anwendungsgebiete der Demographie" und wie diese an die Inhalte von Kursteil 1 anknüpfen.

Tempo-Effekte in demographischen Periodenmaßen

Einführung in den Kurs-Schwerpunkt (6:18)
Video 1: Tempo-Effekte in demographischen Periodenmaßen (19:12)
Video 2: Die wichtigsten demographischen Maßzahlen (10:33)
Video 3: Der "Tempo-Ansatz" von Bongaarts und Feeney (35:29)
Video 4: Einordnung des Tempo-Ansatzes zwischen Perioden- und Kohorten-Analyse (7:27)
Video 5: Konventionelle versus tempostandardisierte TFR am Beispiel Deutschland (11:29)
Video 6: Der Einfluss von Tempo-Effekten auf die west-ost-deutschen Unterschiede in der Lebenserwartung (18:05)
Video 7: Der Einfluss von Tempo-Effekten auf den Rückgang der Lebenserwartung im Jahr 2015 (20:15)
Video 8: Kritik am Tempo-Ansatz von Bongaarts und Feeney (11:04)
Video 9: Zusammenfassung und Schlussfolgerungen (12:37)
Abschluss des Kurs-Schwerpunkts (9:15)

Indirekte demographische Schätzverfahren

Einführung in den Kurs-Schwerpunkt (6:55)
Video 1: Grundlagen und Anwendungsgebiete indirekter Methoden (20:04)
Video 2: Die Growth-Balance-Methode als Beispiel für semidirekte Schätzverfahren (27:41)
Video 3: Grundlagen indirekter Schätzverfahren (25:26)
Video 4: Die Orphanhood-Methode als Beispiel für indirekte Schätzverfahren (50:50)
Video 5: Anwendung der Orphanhood-Methode in entwickelten Bevölkerungen (1:02:11)
Video 6: Zusammenfassung und Schlussfolgerungen (13:15)
Abschluss des Kurs-Schwerpunkts (4:37)

Spezielle Anwendungen des Sterbetafel-Modells

Einführung in den Kurs-Schwerpunkt (3:28)
Video 1: Alternative Dekrement-, Multi-Dekrement und Mehrzustands-Tafeln (26:14)
Video 2: Dekomposition von Unterschieden in der Lebenserwartung (21:54)
Video 3: Dekomposition nach Alter (18:48)
Video 4: Dekomposition nach Alter und Todesursachen 1 (10:11)
Video 5: Dekomposition nach Alter und Todesursachen 2 (20:19)
Video 6: Dekomposition nach Alter und Bildungsstruktur (13:47)
Video 7: Vortrag "How human capital drives life expectancy: a demographic analysis" (21:52)
Abschluss des Kurs-Schwerpunkts (2:39)